54 Millionen selbstfahrende Autos bis 2035

Selbstfahrende Autos können das nächste große Ding in der Autoindustrie zu werden. Das Wettrennen zwischen Autoherstellern und Tech-Firmen ist eröffnet.

Dass selbstfahrende Autos das nächste große Ding in der Automobilbranche werden, gilt spätestens seit dem Google-Auto als ausgemacht. Viele Konzeptautos navigieren sich schon heute selbständig und unfallfrei durch den Verkehr, versprechen mehr Sicherheit und Komfort sowie eine weit bessere Auslastung des Straßennetzes. Das amerikanische Forschungsinstitut Eno schätzt den jährlichen ökonomischen Vorteil für die amerikanische Volkswirtschaft auf 25 Milliarden Dollar, wenn nur jedes zehnte Auto autonom fährt. Bei einer hohen Penetration könnten jedes Jahr sogar 450 Milliarden Dollar gespart werden, wenn es weniger Unfälle, einen geringeren Benzinverbrauch, keine Parkplatzsuche und mehr produktiv nutzbare Zeit für die Autofahrer gibt. 

Die Schätzungen, wann die Autos aber im regulären Straßenverkehr auftauchen, gehen weit auseinander. Google ist optimistisch: Schon 2017 sollen die selbstfahrenden Autos für jedermann verfügbar sein, versprach Mitgründer Sergey Brin schon im vergangenen Jahr.  „Autonomes Fahren auf der Autobahn schaffen wir noch in diesem Jahrzehnt. In der Dekade danach wird das autonome Auto dann auf allen Straßen fahren können“, erwartet Daimler-Ingenieur Ralf Herrtwich. Nach Einschätzung des Marktforschers IHS könnte aber noch ein Jahrzehnt vergehen, bis die autonomen Autos im normalen Straßenverkehr zugelassen und auch bezahlbar sind. Die Forscher erwarten, dass 2025 etwa 230000 autonome Autos in aller Welt verkauft werden; 2035 sollen es dann knapp 12 Millionen sein. Insgesamt werde sich die Zahl dieser Autos auf 54 Millionen bis 2035 summieren, lautet die Prognose, die bei dieser großen Zeitspanne natürlich mit einiger Unsicherheit verbunden ist. Denn es könnte auch viel schneller gehen: „Der Markt steht für Tech-Firmen wie Apple, Microsoft, Samsung, Google, Intel oder andere weit offen“, sagt Gary Silberg von KPMG, der Menschen nach ihrer Kaufbereitschaft für autonome Autos gefragt hat. Das Ergebnis: Die Menschen würden lieber ein Auto von Google als von einem klassischen Autohersteller kaufen, da sie der Tech-Firma mehr Kompetenz in dem Thema zutrauen.  Und daher wäre es kaum verwunderlich, wenn Google nicht längst mit einem chinesischen Autohersteller an einem selbstfahrenden Auto bastelt, das für 10000 oder 20000 Dollar sofort eine Chance im Massenmarkt hätte.

Auch in der selbstfahrenden S-Klasse kommt keine aufwendige Hardware zum Einsatz. „Unser Anspruch war: Wir wollen ein Fahrzeug bauen, das mehr oder weniger heutige Seriensensoren verwendet, vielleicht mit einer Kamera, die eine höhere Auflösung hat, oder mit einer besseren Software“, beschreibt Herrtwich den Ansatz, das selbstfahrende Auto in einer überschaubaren Zeit und für einen bezahlbaren Betrag auf die Straße zu bekommen. Also rüstete Daimler eine aktuelle S-Klasse auf. Aus den zwei ohnehin eingebauten Kameras wurden drei, aus vier Sensoren acht, um die Umgebung lückenlos zu erfassen. „Die Sensoren müssen erkennen, ob das erfasste Objekt ein Auto, ein Fußgänger, ein Radfahrer oder doch nur eine Mülltonne ist, weil wir die Bewegungen der anderen Verkehrsteilnehmer vorausberechnen müssen“. Die Sensoren müssen auch die Verkehrszeichen erkennen können oder ob die Ampel rot, gelb oder grün ist. Wenn die Sensortasten vorliegen, fängt die eigentliche Arbeit aber erst an: „Aus den Daten mussten wir eine konsistente Sicht der Welt erzeugen und entscheiden, wie das Auto darauf reagieren soll. Der Kern ist also die Software“, erklärt Herrtwich. Besonders auf engen Straßen mit viel Verkehr. „Kreisverkehre waren eine Herausforderung. Autonome Autos werden zuerst mit einem etwas zurückhaltenden Fahrstil programmiert. Wenn man das aber übertreibt, bleibt das Auto einfach vor dem Kreisverkehr stehen, weil alle erkannten Lücken als zu klein eingestuft werden“, erklärt der Ingenieur. Noch viel schwieriger waren enge Ortsdurchfahrten, als andere Fahrzeuge auf der Fahrbahn parkten und das autonome Auto auf die Gegenspur ausweichen musste. „Das hat unseres Wissens nach noch niemand geschafft – auch das Google-Auto nicht, das in Kalifornien auf sehr breiten Straßen gefahren ist“. sagt er und reklamiert schon mal die Führungsrolle für sich: „Wir sehen uns beim autonomen Fahren als Vorreiter in Deutschland“.

Link: Auto Correct? Has the self driving car at last arrived? (New Yorker)

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.