Mit künstlicher Intelligenz die Kosten der IT halbieren

Das Frankfurter Startup Arago kann die Kosten für die Informationstechnik in Unternehmen halbieren. Dahinter stecken 12 Jahre Forschung in künstlicher Intelligenz.

Wir haben 200 Jahre lang Menschen beigebracht, wie Maschinen zu arbeiten. Und nun wundern wir uns, dass Maschinen es besser können“, sagt Chris Boos, Spezialist für künstliche Intelligenz. Der IT- Experte denkt diesen Prozess jetzt umgekehrt: „Wir haben zwölf Jahre Forschungsarbeit investiert, damit unsere Maschine heute Probleme löst wie ein Mensch.“

Als ersten Anwendungsfall hat sich Boos, Chef der Frankfurter Firma Arago, die IT in Unternehmen ausgesucht. Dort geben die Firmen meist oft vier Fünftel des Budgets nur dafür aus, den Betrieb der eingesetzten Software aufrechtzuhalten. Nur ein kleiner Teil kann sich um neue Projekte kümmern. Das will Boos mit seiner Firma Arago ändern. „Einer unserer Kunden benötigte 70 Leute, um seine Informationstechnik am Laufen zu halten. Wir machen den Job jetzt mit sechs Mitarbeitern“, erklärt er. Im Durchschnitt senkt Boos’ Maschine die Kosten für den Betrieb der Informationstechnik um die Hälfte. Weil Firmen derzeit weltweit Billionen Euro pro Jahr dafür ausgeben, ist das Sparpotenzial riesig.

Dabei sieht sich Boos nicht als Jobkiller. Im Gegenteil. „Die IT-Administratoren sind inzwischen unsere größten Fans, weil sie keine stupiden Aufgaben mehr erledigen müssen. Jetzt haben sie endlich Zeit für Neues.“ Nur ein einziger Kunde habe nach dem Einsatz der Maschine seine IT-Mannschaft verkleinert. „Fast alle Unternehmen sind froh, die wertvollen Mitarbeiter effektiver einsetzen zu können“, erzählt Boos.

Seine Software ist darauf trainiert, nicht nur Standardaufgaben abzuarbeiten, sondern mit unterschiedlichen Anforderungen klarzukommen. Liegen nur lückenhafte Informationen vor, mache die Maschine trotzdem das Beste daraus. Das Wissen dafür habe sie vom Menschen gelernt. „Das funktioniert wie die Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters“, sagt Boos. Die Software arbeitet die Aufgaben dann Schritt für Schritt ab. „Die Maschine arbeitet am Ende genauso wie der Mensch vorher. Man muss also nichts umbauen“. Genau das macht den Charme aus.

Seine Kunden möchten nicht genannt werden, da sie keinen Ärger mit den Gewerkschaften riskieren wollen. Aber da IT-Spezialisten selten sind, haben Unternehmen ein hohes Interesse, sie von den Routinetätigkeiten zu befreien. „Wir haben im Moment das Problem, die Aufträge abzuarbeiten“.

Die Implementierung der Software will Boos aber lieber Partnern überlassen und sich weiter auf die Forschung zu konzentrieren. „Wir wollen eine Hightech-Firma bleiben und haben so lange geforscht, dass wir genug Geduld haben, es anständig zu machen“.

Der nächste Schritt steht für den Informatiker auch schon fest. „Wir wenden die künstliche Intelligenz auf die Daten an, die in den Unternehmen anfallen“, sagt er. Dort sei das Potenzial noch viel größer.

Nach der langen Forschungszeit läuft das Geschäft nun richtig an. Arago wird die Zahl der Mitarbeiter in diesem Jahr auf 140 mehr als verdoppeln. In der HighTech-Schmiede im Frankfurter Norden geht es aber weitehrin zu wie einem amerikanischen Startup, inklusive Grillfest am Freitagabend. Das hat Boos aus den USA mitgebracht. Seine Rückkehr nach Deutschland sei aber sehr bewusst erfolgt – weil ihm die Vielfalt hier besser gefalle.

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