Digitale Transformation bleibt in Deutschland meist auf der Technologieebene stecken

Die meisten Unternehmen in Deutschland verstehen digitale Transformation als technischen Effizienzprozess. Die Erweiterung der Geschäftsmodelle und der Umbau der Unternehmenskultur wird nur sehr zögerlich angepackt.

Digitalisierung ist das Top-Thema in Deutschlands Chefetagen. Doch die Mehrheit verfolgt das Thema nur aus technischer Sicht: Für den größten Teil der Unternehmen besteht Digitalisierung im Einsatz neuer Technologien und Tools, hat eine Umfrage von Bearing Point unter knapp 300 Unternehmen in Deutschland herausgefunden. Die notwendigerweise folgende Transformation der Geschäftsmodelle steht nur bei 33 Prozent der Befragten oben auf der Agenda. Noch viel seltener ist der Paradigmenwechsel zu einer konsequenten Ausrichtung der Firma am Kundenwunsch zu beobachten: Gerade einmal 6 Prozent haben inzwischen die Haltung adaptiert, die den Erfolg von Unternehmen wie Amazon maßgeblich bestimmt.

Das Ergebnis kann eigentlich nicht überraschen, denn Digitalisierung wird hierzulande immer noch mehrheitlich mit dem technokratischen „Industrie 4.0“ gleichgesetzt, also der Vernetzung der Fabriken. Doch mehr Effizienz in der Fabrik umfasst nur einen (kleinen) und eigentlich nachgelagerten Teil des Transformationsprozesses, der zudem meist nur kurzfristig wirkende Wettbewerbsvorteile bringt. Technologie und Tools sind also nur das Mittel zum Zweck, um Geschäftsmodelle, Betriebsprozesse und Kundeninteraktionen zu verbessern.

Transformation = Geschäftsmodelle, Betriebsprozesse und Kundeninteraktionen

Als neue Geschäftsmodelle haben sich bisher vor allem Plattform-Modelle etabliert, die allerdings weitgehend von den Amerikanern beherrscht werden und mit jeder Transaktion – wie einem Kauf bei Amazon, einer Taxibestellung bei Uber oder einer Zimmervermietung bei Airbnb – einen Teil der Wertschöpfung ins Silicon Valley verlagern. In der nun folgenden zweiten Digitalisierungswelle, die mit „Deep Tech“ wie künstlicher Intelligenz, 3D-Druck und dem Internet der Dinge verbunden ist, stehen die Modelle im Vordergrund, die Hardware und Software miteinander verbinden. Maschinenbauer können nicht nur Maschinen verkaufen, sondern mit den Daten aus der Nutzung ihrer Produkte wertvolle Zusatzdienste anbieten. „Remote Maintenance“ ist ein einfaches Beispiel für diese Datenprodukte, die lebenslange Umsätze bringen.

Dass Transformation auch ein Umdenken in Richtung eines kompromisslosen Fokus auf den Kunden voraussetzt, ist bisher kaum anzutreffen: Der Paradigmenwechsel sei bei nicht einmal zehn Prozent der Mittelständler und deutlich weniger als 5 Prozent der Großunternehmen anzutreffen, haben die Berater herausgefunden. „Den beiden großen Herausforderungen, ein geändertes Kundenverhalten und verschärfter Wettbewerb, begegnen die Unternehmen bisher nur mit einer Optimierung des Bestehenden“, lautet ihre Kritik. Offenbar stehen Unternehmenskultur, Struktur und Organisation der digitalen Transformation im Wege, denn diese Punkte werden als wichtigste interne Hürden genannt. Technologie oder Kompetenzen spielen in der Rangliste nur geringen Rollen. Die meisten Unternehmen warten auf den digitalen Messias, der von außen kommt und die Richtung vorgibt. Dabei kann digitale Transformation nur gelingen, wenn der CEO an der Spitze vorangeht. Sonst kann der kulturelle Wandel nicht gelingen.

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Foto: Siemens (Besuch von Angela Merkel in der „Digitalen Fabrik“)

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