Deutschland ist Schlusslicht bei Investitionen in smarte Technologien

Im internationalen Vergleich investieren deutscher Manager wenig in smarte Technologien wie künstliche Intelligenz, erwarten daher auch nur geringe Auswirkungen auf den Umsatz und die Mitarbeiter. Deutsche Entscheider trauen der Technologie wenig zu und sind auch nur selten bereit, für einen Robo-Boss zu arbeiten, hat eine internationale Studie ergeben.,

Die Digitalisierung wird den internationalen Wettbewerb verschärfen. In den Konsumentenmärkten bauen Web-Konzerne wie Amazon, Airbnb oder Uber globale Plattformen auf, die sie dank ihrer Popularität bei den Konsumenten vergleichsweise schnell international ausrollen können. Ähnliches wird nun auch in den Industriemärkten geschehen, die sich ebenfalls zunehmend über Plattformen organisieren und deren Betreiber ähnlich wie in den Konsumentenmärkten versuchen, möglichst schnell die globale Führungsposition einzunehmen.

Vor diesem Hintergrund ist das Tempo der Digitalisierung zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor geworden. Die IT-Beratung Avanade hat daher 500 C-Level-Entscheider aus neun Ländern nach ihren Digitalisierungs- und Investitionsprioritäten gefragt und dabei interessante Unterschiede zu Tage gebracht. Konkret gefragt wurde nach dem Einsatz smarter Technologien wie künstlicher Intelligenz, die Computern oder Maschinen erlauben, Arbeit zu erledigen oder Entscheidungen zu treffen, die traditionell bisher von Menschen getroffen wurden.

Die befragten deutschen Entscheider investieren weniger in smarte Technik als ihre Kollegen in den anderen Industrieländern, erwarten geringere Umsatzsteigerungen und auch weniger Effekte auf die Mitarbeiter. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

  • Deutsche Entscheider erwarten vergleichsweise geringe Umsatzsteigerungen durch den Einsatz smarter Technologien: Im Durchschnitt erwarten 27 Prozent der Entscheider Umsatzsteigerungen von 50 Prozent und mehr. Auch hier sind die Differenzen groß: In den USA gehen 45 Prozent der Befragten von einem Umsatzplus von 50 Prozent aus, in Deutschland sind es dagegen nur 8 Prozent. Der größte Anteil der deutschen Entscheider erwartet nur 1-14 Prozent Umsatzzuwachs. Im Durchschnitt erwarten die Unternehmen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz eine Umsatzsteigerung von 33 Prozent in den kommenden fünf Jahren.
  • Deutschland ist Schlusslicht bei Investitionen in smarte Technologien: 63 Prozent der befragten Entscheider haben im Durchschnitt schon in diese Techniken investiert, aber die Unterschiede sind groß: In den USA beträgt der Anteil 76 Prozent, in Großbritannien sind es 61 Prozent, in Deutschland aber nur 47 Prozent.

Avanade

  • Deutsche Entscheider erwarten nur geringe Auswirkungen auf ihre Mitarbeiter. Der Aussage, die Belegschaft müsse sich substanziell an die smarten Technologien anpassen, stimmten international 44 Prozent der Befragten zu, aber in Deutschland nur 18 Prozent. Besonders hoch werden die Auswirkungen in den USA eingeschätzt. Die dortigen Entscheider erwarten allerdings auch eine deutliche höhere Reduktion der Beschäftigtenzahl als in Deutschland.
  • Geringe Arbeitsplatzeffekte in Deutschland erwartet. Die Entscheider in Deutschland erwarten in der Mehrheit nur einen geringen Effekt auf die Zahl der Arbeitsplätze: 56 Prozent erwarten maximal 15 Prozent weniger Jobs durch den Einsatz smarter Technologien in ihren Unternehmen. Das ist international der mit Abstand höchste Wert. Dementsprechend ist der Anteil, der mehr als 50 Prozent weniger Jobs erwartet, mit 4 Prozent im Vergleich sehr gering. Auch hier ist der Unterschied zur Erwartung der US-Manager besonders groß: Dort erwarten sogar 20 Prozent, dass mindestens die Hälfte der Arbeitsplätze in ihren Unternehmen durch smarte Technologien ersetzt wird. Wie immer bei diesem Thema erwarten die eher IT-affinen Manager deutlich höhere Effekte als ihre Kollegen, die unter IT eine App verstehen.
  • Deutsche Entscheider trauen den smarten Technologien deutlich weniger die Übernahme von Managementaufgaben zu als ihre ausländischen Kollegen. Angestellte zu verwalten, Verträge zu verhandeln oder Einstellungsentscheidungen zu treffen trauen deutsche Führungskräfte der Technik deutlich weniger zu als dies die Manager in anderen Ländern tun.
  • Deutsche Entscheider haben nur eine vergleichsweise geringe Bereitschaft, für einen „Robo-Boss“ zu arbeiten. 31 Prozent gaben an, nur „sehr unwillig“ den Anordnungen eines Robo-Bosses zu folgen. Das ist international der höchste Wert (Durchschnitt 21 Prozent). Die Gefahr, Maschinen eine zu große Entscheidungsbefugnis zu geben, stufen deutsche Entscheider eher gering ein.
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