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Plattform-Ökonomie

Deutsche Medienunternehmen investieren in Roboterjournalismus

13. Juni 2016 / 0 Kommentare

AX Semantics erhält eine weitere siebenstellige Finanzierung. Interessant sind die Investoren: Regionale Medienhäuser, die Software für die Texterstellung nicht als Feindbild, sondern als gute Ergänzung sehen.

Das Stuttgarter Unternehmen AX Semantics, dessen Software automatisiert Texte schreibt, hat eine Finanzierungsrunde im mittleren einstelligen Millionenbereich von drei deutschen Medienhäusern erhalten. Investoren sind

  • NWZ Digital (Digitalsparte der Nordwest-Zeitung),
  • PDV Inter-Media Venture (Mediengruppe Pressedruck (Augsburger Allgemeine, Main-Post…))
  • Müller Medien (Billiger.de, Taxi.de, AdPepper Group, Radio Gong…)

Bisher haben sich Verlage mit Investitionen in „Roboterjournalismus“ sehr zurückgehalten, da die Software oft als Konkurrenz zu den Redakteuren gesehen wurde. Tatsächlich kann intelligente Software, die mit den richtigen Daten gefüttert wird, inzwischen ganz ordentliche Artikel schreiben. Die meisten Leser erkennen den Unterschied auf Anhieb nicht mehr; lediglich die eher nüchterne, faktenorientierte Sprache der Software dient der Unterscheidung.

Allerdings unterschieden sich die Einsatzgebiete erheblich: Theaterkritiken werden noch lange Zeit den menschlichen Journalisten vorbehalten sein. Aber Artikel, die wie Börsenberichte vorwiegend auf Zahlen beruhen, produzieren Computer inzwischen ganz gut. Die Software eignet sich besonders für maßgeschneiderte Informationsangebote, die zum Beispiel genau auf den Wohnort des Nutzers (lokales Wetter, Verkehr) oder seine Vorlieben (Sportvereine, Aktienportfolio…) abgestimmt sind.

„Wenn die Journalisten den Roboter einmal richtig trainiert haben, lassen sie ihn die Routinejobs machen und gewinnen auf diese Weise viel Zeit für die Geschichten, die ein Computer niemals schreiben kann“, sagt Saim Alkan, Chef von AX Semantics. Den Bericht über das Lebenswerk eines Politikers, der genau einmal benötigt wird, schreibt ein Mensch auch in zehn Jahren noch schneller, besser und billiger als ein Computer.

Medienunternehmen haben mit der Software die Möglichkeit, für jeden Leser eine individuelle digitale Zeitung zu erstellen. Weitere Einsatzgebiete sind Produktbeschreibungen im E-Commerce oder Geschäftsberichte. Die Software von AX Semantics ist inzwischen in 12 Sprachen verfügbar und darauf ausgerichtet, auch von Anwendern ohne IT-Kenntnisse bedient und trainiert zu werden.

„AX Semantics verfügt über die Technologie, mit der Texte in sehr hoher Qualität automatisch erstellt werden können. Als Medienunternehmen beobachten wir diese Entwicklung genau und sehen darin ein sehr großes Potenzial“, sagt Michael Oschmann, Geschäftsführer der Unternehmensfamilie Müller Medien.

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Prof. Dr. Holger Schmidt ist Experte und Speaker für digitale Ökonomie. Seine Kernthemen sind Plattform-Ökonomie, digitale Geschäftsmodelle und künstliche Intelligenz. Der Volkswirt ist Redaktionsleiter Newsletter & Verticals der F.A.Z und verantwortet das F.A.Z. PRO Digitalwirtschaft-Briefing. Außerdem lehrt er digitale Transformation an der TU Darmstadt, schreibt Bücher und ist Co-Host eines F.A.Z.-Podcasts zur Künstlichen Intelligenz.

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