„In einer Stadt reichen 20 Prozent der Autos“

In einer Stadt, deren Einwohner Car-Sharing und selbstfahrende Autos nutzen, reichen 20 Prozent der heutigen Autos, um alle Mobilitätsanforderungen zu befrieden, sagt MIT-Forscher Carlo Ratti. Der Effekt sei so groß, weil Mobilität heute extrem ineffizient organisiert sei.

„Das Internet wird zum Internet der Dinge – und das bedeutet, dass unsere Städte online gehen“, sagt Carlo Ratti, der am Senseable City Lab des MIT über die Digitalisierung der Städte forscht. Ein wichtiges Feld ist der Verkehr, wo einige Disruptionen schon zu erkennen seien. „Car-Sharing zum Beispiel. Selbstfahrende Autos sind spannend, aber nicht, weil niemand mehr selbst fahren muss. Sondern weil die selbstfahrenden Autos das Car-Sharing auf ein höheres Niveau heben“, sagt Ratti, der die Verkehrsströme in Städten erforscht hat. Ergebnis: „Man kann die Mobilitätsanforderungen einer Stadt mit 20 Prozent der Autos befriedigen. Dafür müssen die Menschen bereit sein, die Autos und die Fahrten zu teilen, also zum Beispiel gemeinsam aus der Innenstadt zum Flughafen zu fahren“.

Autos und Fahrten gemeinsam nutzen

Dass die Menschen dazu bereit sind, hat der Taxi-Dienst Uber schon festgestellt. 40 Prozent der Fahrten in San Francisco und insgesamt schon 20 Prozent entfallen auf Uber-Pool, sagte der Gründer und CEO Travis Kalanick bei seinem Besuch in Berlin. Das Prinzip, dass sich zwei oder mehr Fahrgäste, die in eine Richtung wollen, einen Wagen teilen, funktioniert umso besser, je mehr Menschen einen Dienst nutzen – was dem Marktführer in die Hände spielt. Die Fahrgäste teilen sich den Preis und die Fahrer haben in der Regel längere Fahrten. Allerdings müssen noch Regeln gefunden werden, um Wartezeiten für den ersten Fahrgast bei der Aufnahme des zweiten oder dritten Fahrgastes zu vermeiden. In San Francisco gilt Uber-Pool darüber hinaus auch als Kontaktbörse.

Car-Sharing reduziert Autozahl bis zu 30 Prozent

Der Effekt des Teilens sei so groß, weil Mobilität heute total ineffizient sei. Das durchschnittliche Auto stehe 95 Prozent der Zeit herum und werde nur in 5 Prozent bewegt. Wenn man dieses Verhältnis verbessere, sei der Effekt schnell substantiell, sagte Ratti.

Klassisches Car-Sharing in hoher Ausbaustufe reduziere die Anzahl der Autos auf den Straßen zwischen 10 und 30 Prozent. „Wir sehen jetzt schon in den großen Städten, dass die Zahl der Autos nicht mehr steigt, obwohl die Einwohnerzahl weiter zulegt“. Viele Städte bemühten sich, die Pionierrolle für selbstfahrende Autos zu übernehmen. „Singapur ist in meinen Augen schon sehr weit auf diesem Weg“. Vor allen in den schnell wachsenden Städten in Asien sind neue Verkehrskonzepte gefragt, um den Kollaps auf den Straßen zu vermeiden.

„Selbstfahrende Autos kommen schneller, als viele glauben“

Auf dem Feld der Anbieter sieht Ratti drei Gruppen, die sich auf denselben Markt zubewegen: Die traditionellen Autohersteller wie Daimler oder BMW, die mehr und mehr digital werden, die IT-Konzerne wie Google oder Apple und als dritte Kraft die Mobilitätsdienste wie Uber. „Der Wettbewerb wird sehr spannend und ich erwarte einige Übernahmen oder Zusammenschlüsse zwischen diesen Gruppen. Selbstfahrende Autos kommen schneller, als viele glauben“, sagte Ratti am Rande der Technologiekonferenz Teradata Universe in Hamburg.

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