Digitale Transformation gehört bei jedem zweiten Unternehmen zu den Top-3-Prioritäten

Die Bedeutung der Digitalisierung ist in Deutschlands Chefetagen angekommen. Allerdings gehen die Deutschen das Thema weniger konsequent an als die Amerikaner. Die Verunsicherung unter den Mitarbeitern ist hierzulande deutlich höher.

Die digitale Transformation gewinnt in Deutschland weiter an Bedeutung: Gehörte das Thema im vergangenen Jahr erst bei 41 Prozent der Firmen zu den Top-3-Prioritäten, beträgt dieser Wert inzwischen 50 Prozent. Folgerichtig wird das Thema auch höher aufgehängt: In 35 Prozent der Firmen sind inzwischen CEO oder Geschäftsführer für die digitale Strategie verantwortlich. Im vergangenen Jahr betrug dieser Wert 24 Prozent, hat eine Umfrage von GfK und YouGov unter Unternehmen mit mehr als 250 Millionen Euro Umsatz im Auftrag von Etventure ergeben.

Interessant ist der Unterschied gegenüber den USA. Dort wird der Digitalisierung nicht nur ein höherer Stellenwert beigemessen, sondern offenbar auch konsequenter angegangen: 85 Prozent der US-Unternehmen sehen sich als gut oder sehr gut auf die digitale Transformation vorbereitet, während in Deutschland nur 35 Prozent mit ihrer digitalen Performance zufrieden sind. Auch bei den Hürden zeigen sich deutlich Unterschiede: Während hierzulande 63 Prozent die fehlende Erfahrung bei nutzerzentriertem Vorgehen als größtes Hemmnis ansehen, sind es in Amerika nur 14 Prozent. Auch die Verteidigung bestehender Strukturen und Anforderungen an die IT-Sicherheit spielen in den USA eine wesentlich geringere Rolle bei der Transformation als bei den Bedenkenträgern in Deutschland, hat die Umfrage ergeben.

„German Angst“ blockiert

Wie sehr die „German Angst“ das Thema blockiert, zeigen die Antworten auf die Frage nach der Verunsicherung der Mitarbeiter. In Deutschland stimmen 37 Prozent der Unternehmen der Aussage zu, dass Prozesse der digitalen Transformation hauptsächlich zu einer Verunsicherung bei den Mitarbeitern führt. In den USA sehen nur 6 Prozent der Befragten diese Angst. Was vielleicht auch daran liegt, dass 59 Prozent der US-Unternehmen zusätzliche Jobs als Folge der Digitalisierung erwarten, während dies in Deutschland nur 19 Prozent tun.

Menschen mögen „Industrie 4.0“ nicht

Hier zeigt sich die grundsätzlich andere Herangehensweise der Amerikaner, die mit der Digitalisierung häufig neue Geschäftsmodelle verbinden, während der technikzentrierte deutsche Ansatz „Industrie 4.0“ vor allem als Prozessoptimierung verstanden wird. Kein Wunder also, dass nur 19 Prozent der Deutschen den Begriff „Industrie 4.0“ als sympathisch bezeichnen, wie eine Allensbach-Umfrage ergeben hat. „ In Deutschland wird Digitalisierung jenseits der Führungsebene noch immer eher als Risiko statt als Chance begriffen. Das erschwert natürlich einen schnellen Start in die Umsetzung. Um hier mit den USA mithalten zu können, müssen Unternehmen in die Weiterbildung der Mitarbeiter investieren“, sagt Philipp Depiereux von Etventure, womit er zweifellos recht hat. Inzwischen sind so ziemlich alle Personalabteilungen dabei, solche Weiterbildungsprogramme zu stricken – ohne allerdings genau zu wissen, wohin der digitale Weg ihres Unternehmens geht. Die richtige Reihenfolge der digitalen Transformation sollte also so aussehen:

Foto: Siemens

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