80 Prozent der Industrieunternehmen sind noch nicht im Industrie-4.0-Zeitalter angekommen

Nur 20 Prozent haben inzwischen digitalen Geschäftsmodelle. Und nur 2 Prozent haben die höchste Stufe der vollautonomen Produktion erreicht, zeigt eine IW-Studie.

Die Digitalisierung der deutschen Industrie ist noch nicht so weit fortgeschritten wie erhofft. Vier von fünf Industrieunternehmen in Deutschland nutzen die Digitalisierung bisher nur unterstützend für ihre etablierten Geschäftsmodelle. Nur ein Fünftel der Unternehmen gilt wegen der datenbasierten Angebote als tatsächlich digitalisiert, hat eine Umfrage der IW-Tochter TwinEconomics unter 2500 Industrieunternehmen und industrienahen Dienstleister ergeben. Die höchste Stufe der Digitalisierung, die Industrie 4.0, in der Systeme selbständig und autonom Entscheidungen treffen, haben bisher erst 2 Prozent der Unternehmen erreicht, hat die Umfrage ergeben.

Wer beim Stichwort „Industrie 4.0″ also vorwiegend an Männer in dunklen Anzügen beim Unterschreiben von Absichtserklärungen oder der Gründung von Arbeitskreisen denkt, liegt nicht so falsch. Natürlich treibt die Industrie das Thema voran, was sich auch am steigenden Digitalisierungsgrad vieler Branchen ablesen lässt. Aber: „Die Informationalisierung von Produktionsprozessen ist keineswegs so intensiv, wie es die Intensität der öffentlichen Diskussion über Industrie 4.0 vermuten lassen würde“, hatten Acatech und BDI schon im Sommer in ihrem Innovationsindikator kritisiert, als sie Deutschlands Digitalisierungsstand nur auf Rang 17 in der Welt einstuften. Allerdings zeigen die Erfahrungen mit anderen Basistechnologien, dass deren Effekte auch erst Jahrzehnte nach der Einführung deutlich spürbar wurden.

Dabei lohnt sich die Digitalisierung. Die Unternehmen, die bereits den Schritt von der „Computerisierung“, also der unterstützenden Funktion, zur „Digitalisierung“ und damit zur Wirtschaft 4.0 geschafft haben, erzielen deutlich höhere Umsätze mit digitalen Produkten und stellen viel schneller neue Mitarbeiter ein als ihre Nachzügler in der Wirtschaft 3.0, hat die Studie ergeben: Während Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen im Zeitraum von 2013 bis 2016 ein durchschnittliches Mitarbeiterwachstum von 54 Prozent verzeichneten, kamen die computerisierten Firmen lediglich auf 28 Prozent. Ein Grund für diesen Unterschied im Beschäftigungsaufbau dürfte auch die dynamische Umsatzentwicklung sein. Die digitalisierten Unternehmen steigerten ihre Erlöse in den vergangenen drei Jahren insgesamt um mehr als 100 Prozent, die computerisierten Firmen dagegen lediglich um 43 Prozent.

Zusammen erwirtschafteten Industrie und industrienahe Dienstleister nach diesen Berechnungen im Jahr 2016 rund 244 Milliarden Euro Wertschöpfung mit digitalen Angeboten. Als Wertschöpfung wird der Gesamtwert der im Produktionsprozess erzeugten Waren und Dienstleistungen abzüglich der Vorleistungen bezeichnet. Wenn man von den 244 Milliarden Euro die nicht digitalen Komponenten gemischter Produkte abzieht, bleibt eine Wertschöpfung von 200 Milliarden Euro übrig. Hochgerechnet auf die gesamte deutsche Wirtschaft ergibt sich daraus für das Jahr 2016 eine rein digitale Wertschöpfung von 332 Milliarden Euro, haben die Wissenschaftler errechnet. Zur Einordnung: Diese Summe entspricht etwa 11 Prozent der gesamten Wertschöpfung Deutschlands im Jahr 2016. Die deutsche Internet-Wirtschaft, bestehend aus Netzinfrastruktur, E-Commerce, Services und Bezahlinhalte, kommt auf einen Umsatz von etwa 100 Milliarden Euro im Jahr.


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