2019: Das Jahr, in dem die digitalen Transformatoren liefern müssen

In diesem Jahr wird der ROI der Digitalinvestitionen in den Fokus rücken. Wer aber nur auf kurzfristige Effizienzziele schaut, verpasst das Wesen der Digitalisierung: Wachstum.

Immer dann, wenn die Konjunktur schwächer wird, steigt der Druck in Unternehmen, handfeste Ergebnisse zu liefern. Für die digitalen Transformatoren könnte 2019 ein solches Jahr werden. Obwohl erst 2017/2018 die Notwendigkeit einer umfassenden Digitalisierung wirklich überall erkannt und angegangen wurde, wird die Frage, was genau die verschiedenen Digitalprojekte (außer steigenden Kosten für Technologie, neues Personal und Schulungen der Mitarbeiter) zum Unternehmenserfolg beitragen, umso lauter werden, je stärker die Konjunktur schwächelt. Fehlende Daten oder ROI-Berechnungen zur Rechtfertigung der digitalen Transformation stehen daher 2019 an der Spitze der Herausforderungen der digitalen Transformatoren, schreibt Brian Solis in seinem aktuellen Report „The State of Digital Transformation 2018-2019“. Gegenüber dem Vorjahr hat dieser Aspekt sehr deutlich an Bedeutung gewonnen. Genau das könnte ein Problem für die traditionellen Unternehmen darstellen, deren Zeithorizont für Digitalprojekte ohnehin kürzer ist als in den Digitalfirmen. Gerade beim Bau der Plattformen ist eine Anlaufphase nötig.

Wachstum statt Effizienz

Digitalisierung ist kein Selbstzweck. „Das Ziel der Unternehmen lautet nicht, digitaler zu werden. Sie wollen schneller wachsen“, erläutert Solis. In Deutschland liegt der Fokus mehr auf höherer Effizienz, was schon ein Teil des Problems darstellt, denn wenn alle Unternehmen vorwiegend ihre etablierten Prozesse digitalisieren, ohne neue Geschäftsmodelle einzuführen oder neue Kunden zu akquirieren, ist der Erfolg bestenfalls kurzfristiger Natur. Viele Industrie-4.0-Projekte haben enttäuschende Ergebnisse geliefert, weil die Konzentration auf Effizienz die entscheidende Ebene der digitalen Transformation auslässt. Die Automatisierung der deutschen Industrie ist ein wichtiges Projekt, bleibt ohne Entwicklung neuer Geschäftsmodelle aber auf halber Strecke stehen.

Hat der CDO schon ausgedient?

Den meisten Entscheidern ist inzwischen klar, dass an der Digitalisierung kein Weg vorbeigeht, was sich auch in steigenden Investitionen niederschlägt: Knapp 5 Prozent des Umsatzes fließen inzwischen in die digitale Transformation. Obwohl Digitalisierung traditionell auf die IT fokussiert war, gewinnen andere Bereiche des Unternehmens an Bedeutung. Service, Operations, Innovation und Sales/Marketing gehören inzwischen zu den Kernbereichen der Transformation, zeigt Solis‘ Umfrage. 85 Prozent der Unternehmen haben die Digitalprojekte inzwischen über die IT-Abteilung hinaus in die Organisation vorangetrieben. Entsprechend konzentrieren sich nur noch 15 Prozent auf die Digitalisierung einzelner Geschäftseinheiten oder Disziplinen, meist konzentriert in einer Geschäftseinheit.

Der „Eigentumskrieg“ der Anfangszeit zwischen IT und Marketing ist einer Balance und Zusammenarbeit im ganzen Unternehmen gewichen. Bei der digitalen Transformation geht es um die Modernisierung der Summe aller kritischen Teile der Organisation, die immer häufiger von CEOs, CIOs oder CTOs zentral in die Hand genommen wird und seltener von einzelnen Abteilungen gemanagt wird. Der Anteil der Unternehmen mit einem Chief Digital Officer als oberstem Digitalisierer stagniert bei etwa 11 Prozent.

Wachsende Präsenz der Personaler

Interessant ist auch der wachsende Einfluss der Personalabteilungen. Ihre Präsenz in Digitalisierungsprojekten ist im vergangenen Jahr um 300 Prozent gestiegen, nachdem sich herumgesprochen hat, dass Digitalisierung ohne entsprechend geschulte Mitarbeiter nicht funktioniert und ohne entsprechend motivierte Mitarbeiter ohnehin chancenlos ist. Da in keinem Land so viele Arbeitnehmer wie in Deutschland überzeugt sind, schon alle Fähigkeiten für ihren Beruf zu besitzen, sind Weiterbildung und Motivation längst kritische Erfolgsfaktoren geworden. Trainingsprogramme und die Einstellung digitaler Köpfe gehören kurzfristig zu den Top-Prioritäten der Personaler. Langfristig steht die Schaffung einer Innovationskultur im Vordergrund, der vielleicht größten Aufgabe in Deutschland.

1 Antwort
  1. Fagus Pauly sagte:

    Sehr geehrter Dr. Schmidt,
    seit 2 Jahren verfolgen wir Ihren Blog mit starkem fachlichen Interesse. Sie sind in der Kommunikation des Themas ein Pionier und dafür danken wir Ihnen.
    In Ihrem Fokus stehen bisher immer nur Technologien oder Technologiekonzerne. Vielfach finalisiert sich digitale Transformation in KI , IoT 4.0 oder auch in Plattformtechnologien. Das ist sicherlich eine korrekte Annahme und auch hier und da zu beobachten. Aus unsere Sicht trifft es aber nur 10% der wirklichen Gründe.
    Unsere Beobachtung im Markt in unseren täglichen Projekten liefert andere Beweggründe für digitale Transformation. Unsere Kunden sind klassische deutsche KMU Fertigungsunternehmen, für die die digitale Transformation die beste Chance für eine Marktverbesserung seit Jahren bedeutet.

    Digitalisierung ist eben kein IT Projekt, sondern ein Organisationsprojekt mit Hilfe von digitalen Werkzeugen. Das haben Sie in Ihrer Statistik auch so herausgearbeitet. Unser Kunden sitzen im Thüringer Wald, im Erzgebirge oder im Sauerland. Das sind alles Regionen, wo Personalmangel herrscht. Fehlstellen können also auch mit Geld nicht einfach besetzt werden. Das sind massive Bremsen für den täglichen Betrieb, vom Wachstum ganz zu schweigen.
    An genau dieser Stelle setzen unsere Kunden ihre Digitalisierungsprojekte an. Sie stellen sich die Frage, welche internen Prozesse in der Verwaltung, der Produktion, Marketing, Vertrieb oder Personalbetreuung kann man mit digitalen Hilfsmitteln automatisieren und damit einhergehend beschleunigen. Die Zielstellung unserer KMU ist im ersten Schritt die Liefertreue gewährleisten in einer schneller werdenden Geschäftswelt durch die Automation von Prozessen, die bisher nur per Hand gingen. In der Folge wird festgestellt, dass man nun selber viel schneller mit dem gleichen Stamm an Mitarbeitern mehr erreicht hat. Ein starker Effizienzgewinn, der zu mehr Liquidität führt. Mit den digitalen Möglichkeiten beginnen unsere Kunden dann, allein auf Datenbasis neue Märkte außerhalb ihres bisherigen Wirkungskreises zu erschließen. Das geht praktisch digital direkt aus dem Thüringer Wald heraus, weil das KMU bei minimalem Invest eben erst seine Marktchancen erkennt und erst dann bei erfolgreichem Start eine personelle Struktur aufzubauen braucht. Digitale Prozesse sind für KMU im Markt ein riesiger Geschwindigkeitsvorteil im Kampf gegen internationale Konzerne. Das KMU kennt seinen Zielkunden und seinen Anwesenheit im fremden Markt per Datenanalyse praktisch sofort.
    Kurz gesagt, unsere Marktbeobachtungen sind ein riesiger Geschwindigkeitsgewinn und Marktvorteil für KMU allein durch die Automation von Engpässen in der Administration, Marketing, Vertrieb, After Sales und Logistik. Unsere Kunden schärfen dadurch ihre etablierten Geschäftsmodelle. Sie verbreitern ihre Produktvariationen durch Datenanalyse der Märkte und werden noch bessere Spezialisten. Diese KMU sind für manche großen Maschinenbauer plötzlich ernst zu nehmende Gegner, weil sie durch automatisierte digitale Abläufe schneller und kostengünstiger liefern können auch ohne große Verwaltung.
    Insofern ist für KMU die Digitalisierung die Chance, den Siemens/ GE und Alstoms an vielen Stellen empfindlich das Wasser abzugraben.
    Dieser Erfolg ist entgegen Ihrer Annahme von langfristiger Natur, weil das normale Geschäftsmodell stabilisiert und verfeinert wird, auch wenn die Konkurrenz RPA einsetzen wird. Unsere Kunden erkennen neue Potenziale in ihrem bisherigen Modellen, weil sie digitale Komponenten integrieren. Plattformmodelle spielen da nirgends eine Rolle. Die systemimmanente Frage bei Digitalisierung ja oder nein ist: „Time to market?“

    Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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